Kopfweh durch Schmerzmittel
Schmerzhafter Teufelskreis

Der Griff zur Tablette verspricht schnelle Hilfe bei Schmerzen. Doch auf Dauer rufen die Medikamente genau die Geister herbei, die sie eigentlich vertreiben sollten. So kommt es, dass Kopfschmerzmittel ihrerseits Kopfschmerzen auslösen können.

Statistischen Aussagen zufolge sind 20 Prozent aller Kopfschmerz-Betroffenen noch nie zum Arzt gegangen und 50 Prozent haben die Arztbesuche eingestellt. Somit sind nur 30 Prozent der Kopfschmerzpatienten in ärztlicher Behandlung.
Die Folge der fehlenden ärztlichen Beratung ist häufig ein unkontrollierter Schmerzmittelkonsum. Experten schätzen, dass 90 Prozent der Kopfschmerzmittel ohne ärztlichen Rat gekauft und eingenommen werden. Das kann zu einem Teufelskreis führen: Aus Angst vor erneuten Kopfschmerzattacken nimmt der Betroffene immer häufiger und in immer höheren Dosen Medikamente ein. Dadurch kann es jedoch zu einem Dauerkopfschmerz kommen.

Höchst sensible Rezeptoren
Kopfschmerzmittel binden im Gehirn an bestimmte Rezeptoren an, wodurch die vorher geöffneten Schmerzfilter im Gehirn wieder geschlossen werden und der Schmerz nachlässt. Diese Rezeptoren reagieren höchst sensibel auf Schmerzmittel. Nimmt ein Patient zu häufig Schmerzmittel ein, sinkt die Empfindlichkeit der Rezeptoren, sie stumpfen ab und reagieren weniger sensibel auf die Medikamente.


Immer höhere Dosen
Deshalb werden immer höhere Dosen nötig, um die Schmerzen zu dämpfen. Manche Symptome ähneln einer Migräne, andere dem Spannungskopfschmerz. Der Schmerzcharakter ist eher diffus und kann nicht eindeutig beschrieben werden. Auch Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit kommen vor.


Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,1014387,00.html


Migräne durch Schmerzmittel?

Wer Migräne hat, greift oft zu einem Schmerzmittel, um die quälenden Kopfschmerzen loszuwerden. Doch nach einer aktuellen Studie aus Norwegen kann dieses Verhalten leicht in einen Teufelskreis führen.

Die Wissenschaftler von der norwegischen Universität Trondheim gingen der Frage nach, ob der übermäßige Gebrauch von Schmerzmitteln mit der Entwicklung chronischer Schmerzen zusammenhängen kann. Hierfür befragten John-Anker Zwart und sein Team über 49.000 Norweger, wie oft sie welche Schmerzmittel einnehmen und unter welchen Schmerzsyndromen sie leiden.

Es zeigte sich, dass besonders bei Migränepatienten ein deutlicher Zusammenhang zwischen übermäßigem Schmerzmittelgebrauch und Schmerzattacken bestand: Wer täglich zu Tabletten griff, berichtete mehr als zehnmal häufiger über chronische Migräne als Personen mit normalem Einnahmeverhalten. Auch bei Patienten mit chronischen Schmerzsyndromen wie etwa Rücken-, Nacken- und nicht-migräneartigen Kopfschmerzen war ein häufiger Missbrauch von Schmerzmitteln zu beobachten. Dabei war das Risiko, an chronischen Schmerzen zu leiden umso höher, je länger die übermäßige Medikamenteneinnahme angedauert hatte.

Die Autoren empfehlen daher Ärzten und Patienten einen bewussteren Umgang mit Schmerzmitteln. Besonders Menschen, die von chronischer Migräne betroffen sind, sollten sich vor den Risiken eines Medikamentenmissbrauchs in Acht nehmen.

Nach Informationen des Fachjournals „Neurology” und Ärztliche Praxis

Nicht zuviele Kopfweh-Tabletten einnehmen

Medikamente gegen Kopfschmerzen sollten nicht länger als drei Tage hintereinander und höchstens zehn Tage im Monat eingenommen werden. Sonst könne schnell ein medikamentenbedingter Kopfschmerz auftreten, warnt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) in Regensburg. Dieser könne nur durch einen ambulanten oder stationären Entzug wieder beseitigt werden.
Rund 90 Prozent aller Menschen, die von häufigen Kopfschmerzen betroffen sind, leiden den Angaben zufolge unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Generell spreche zwar nichts gegen eine Selbstbehandlung dieser Krankheit mit Medikamenten, sie sollte jedoch durch nicht-medikamentöse Strategien wie Joggen, Schwimmen, Rad fahren und Entspannungstherapien (z.B. autogenes Training) ergänzt werden.


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