Rauchen
unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten


 
1. Einleitung

1.1 Betriebliche Produktionsfaktoren
Zu optimalen Leistungen gehören optimale Bedingungen. Ein Betrieb, der diesen Grundsatz verletzt, wird im harten marktwirtschaftlichen Wettbewerb nur dann bestehen können, wenn es seine Konkurrenten ebenfalls daran fehlen lassen, die Voraussetzungen für einen optimalen Output zu schaffen. Zum Input gehören in unterschiedlicher Gewichtung die menschliche Arbeitskraft, die Betriebsmittel und die Werkstoffe. Da sich Betriebsmittel und Werkstoffe nicht von allein kombinieren können, kommt der menschlichen Arbeitskraft die entscheidende Bedeutung bei, sowohl als exekutiver als auch als dispositiver Faktor.

Die als Folge des technischen Fortschritts - und auch zur Herstellung optimaler Bedingungen - zunehmende Substitution der menschlichen Arbeitsleistung durch Maschinen, führt zwar kostenmäßig zu einer anderen Gewichtung der betrieblichen Produktionsfaktoren, erhöht jedoch gleichzeitig auch die Bedeutung des dispositiven Arbeitsfaktors. Eine Fehlentscheidung oder ein Ausfall durch Krankheit oder gar Tod kann die Kostensituation und damit den Input auf einen Schlag gravierend ändern.

 

1.2 Untersuchungen über die ökonomischen Folgen des Rauchens
Tabakrauchen ist zum einen weit verbreitet und zum anderen verantwortlich für Arbeitsunfähigkeit, Frühinvalidität und Übersterblichkeit. Es bildet damit einen wesentlichen Kostenfaktor. Überraschend ist jedoch, dass das Rauchen in der Bundesrepublik Deutschland als Kostenfaktor kaum Anerkennung und auch nicht die zu erwartende Aufmerksamkeit von wissenschaftlicher Seite findet. Während zahlreiche Untersuchungen über das Rauchen aus medizinischer, psychologischer und auch soziologischer Sicht vorliegen, fehlen wissenschaftliche Untersuchungen über die ökonomischen Folgen des Rauchens völlig.

Dies hat meines Erachtens zwei wesentliche Gründe. Zum einen verhindert die betriebliche Mitbestimmung in Kombination mit dem Datenschutz Untersuchungen über den Kostenfaktor Rauchen. Alle von mir befragten Betriebsräte mittlerer und großer Unternehmen konnten sich nicht vorstellen, ihre Zustimmung zu einer Studie zu geben, in der das Rauch- bzw. Nichtrauchverhalten und seine Auswirkung auf betriebliche Kosten untersucht werden sollte. Sie begründeten dies meist mit der Notwendigkeit zur Solidarität gegenüber rauchenden Kolleginnen und Kollegen und pochten dabei allesamt auf ihr Recht auf Mitbestimmung in sozialen und personellen Angelegenheiten.

Aber auch die Geschäftsleitungen deutscher Unternehmen sahen derartige Untersuchungen in der Vergangenheit eher als eine Angelegenheit an, die den Betriebsfrieden stören könnte. Man stöhnte zwar über die ständig steigenden Kosten auf dem Personalsektor, sah aber keine Möglichkeit, auf sie durch grundlegende Änderungen beim Faktor Rauchen Einfluss zu nehmen. Die Tarifpolitik der Sozialpartner zeigte darüber hinaus wenig Flexibilität. Den Verlautbarungen der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Mitarbeiter nach gab es keine Probleme mit dem Rauchen bzw. Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz.

Das dies jedoch keine zutreffenden Zustandsbeschreibungen waren, zeigen nicht nur Repräsentativbefragungen, sondern auch Ergebnisse von Betriebsratswahlen. In München errang z.B. die Liste Nichtraucherschutz 1987 in einem Zweigbetrieb von Siemens auf Anhieb 12,2 Prozent von 8.383 Stimmen und wiederholte ihren Wahlerfolg 1990 und 1993 mit jeweils über 11 Prozent.

Das Verhalten der Unternehmen ist zwar in gewisser Weise verständlich, jedoch eher als eine Art management by waiting zur Erhaltung des Status quo, anstatt management by forming zu bezeichnen. Einem kostenbewussten Unternehmer hätten eigentlich schon die Erkenntnisse der Bundesregierung aus dem Jahr 1974 Grund zum Nachdenken geben müssen. Denn bereits zu diesem Zeitpunkt gab die damalige Bundesgesundheitsministerin Katharina Focke den Verlust für das Bruttosozialprodukt durch die Folgen des Rauchens (häufigere Krankheitsfälle, Frühinvalidität, Übersterblichkeit) mit 15 bis 20 Milliarden Mark für 1971 an. Heute liegt der Schaden für das Bruttosozialprodukt sowohl hochgerechnet als auch auf der Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes bei mehr als 40 Milliarden Euro.

Da das Bruttosozialprodukt den Gesamtwert der in einem Jahr produzierten Sachgüter und Dienstleistungen darstellt, müssen die Kosten des Rauchens auch in erheblichem Umfang die Unternehmen treffen.

 
2. Welche betriebswirtschaftlichen Kosten verursacht Rauchen?

Obwohl für den Produktionsprozess weder erforderlich noch ihm förderlich, beeinflusst das Rauchen eine ganze Reihe von Kostenarten, vorrangig jedoch die Personalkosten.

2.1 Personalkosten
Auch wenn die Zahl der kapitalintensiven Betriebe bedingt durch den technischen Fortschritt zunimmt, spielt der Faktor Arbeit mit Abstand die größte Rolle beim Kalkulieren der Preise in den drei Wirtschaftsbereichen Produktion, Verteilung und Dienstleistung.

2.1.1 Kosten durch Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit
In den ersten sechs Wochen einer Arbeitsunfähigkeit sind die Arbeitgeber verpflichtet, das Entgelt weiter zu bezahlen. Da Raucher und auch Ex-Raucher häufiger und auch länger krank sind als Nie-Raucher sind mindestens ein Viertel und damit mindestens 12 Milliarden Mark der 1993 von Arbeitgebern geleisteten Entgeltfortzahlungen von rund 49 Milliarden Mark (StJB 1994, S. 482) dem Rauchen zuzurechnen. Setzt man diese Summe in Beziehung zur gesamten Bruttolohn- und -gehaltssumme von 1,2 Billionen Mark, so ergibt sich ein Anteil von rund einem Prozent. In reinen Dienstleistungsunternehmen wirkt sich dies besonders stark aus. Ein Arbeitsausfall kann bei ihnen pro Acht-Stunden-Tag einen Einnahmeausfall von 400 bis weit über 1.000 Euro verursachen.

2.1.2 Kosten durch Entgeltfortzahlung während des Rauchvorgang
Die Computerfirma Atari gewährt ihren nichtrauchenden Angestellten einen Sonderurlaub von 6 Tagen im Jahr. Sie hatte nämlich herausgefunden, dass die rauchenden Mitarbeiter aufgrund des Rauchverbots in den Produktionsräumen täglich eine gewisse Zeit lang zum Rauchen einen Ortswechsel vornehmen müssen und deshalb nicht produktiv tätig sein können. Die 6 Tage Mehrurlaub stellen jedoch nicht das genaue Äquivalent zur Ausfallzeit dar, die sich durch das Verlassen des Arbeitsplatzes zum Rauchen ergibt. Vielmehr verkörpern Sie einen Kompromiss zwischen den tatsächlichen Ausfallzeiten und der Tatsache, dass der zusätzliche Urlaub einseitig die Kosten erhöht. Dabei ging die Unternehmensleitung nicht unbegründet davon aus, dass die 6 Urlaubstage Anreiz geben, das Rauchen einzustellen.

In der Tat verbringt ein rauchender Arbeitnehmer, der am Arbeitsplatz täglich 20 Zigaretten raucht, insgesamt mindestens 20 Minuten mit dem Handhaben der Zigarette. Das Hervorholen, das Anzünden, das Einatmen des Tabakrauchs, das Ablegen der Zigarette in den Aschenbecher, das Wieder-in-die-Hand-nehmen und das Ausdrücken der Zigarette braucht Zeit, in der der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung nicht erbringen kann. Dies spielt besonders bei Tätigkeiten eine Rolle, die den Gebrauch einer oder beider Hände benötigen. Rechnet man die 20 Minuten pro Tag auf die durchschnittliche jährliche Arbeitszeit abzüglich Urlaubszeit von 220 Tagen um, entsteht bei einem rauchenden Arbeitnehmer mit einem täglichen Zigarettenkonsum von 20 Stück während der Arbeitszeit ein Arbeitsausfall von mindestens 10 Tagen allein durch das Hantieren mit der Zigarette. Dies entspricht z.B. im Verarbeitenden Gewerbe bei Lohnkosten von ca. 30 Mark pro Arbeitsstunde (1993) einem Betrag von rund 2.400 Mark im Jahr. Wenn man davon ausgeht, dass von 25,6 Millionen beschäftigten inländischen Arbeitnehmern - die Zahl bezieht sich auf 1993 und das frühere Bundesgebiet - etwa 35 Prozent rauchen, wenn man ferner zugrundelegt, dass etwa ein Drittel dieser Raucher zu denjenigen gehört, die mindestens 20 Zigaretten pro Tag am Arbeitsplatz rauchen, entstehen den Unternehmen allein für diese rund 3 Millionen stärkeren Raucher Kosten in Höhe von 7,2 Milliarden Mark jährlich. Doch auch die restlichen 6 Millionen schwächer rauchenden Arbeitnehmer erhöhen die Arbeitsausfallzeit. Sie mit einem Viertel der Kosten anzusetzen, die der Arbeitsausfall bei den stärkeren Rauchern verursacht, dürfte nicht zu hoch sein, so dass sich insgesamt 9 Milliarden Mark Belastung ergeben. Ihnen stehen keine Arbeitsleistungen gegenüber.

Diese Erhebungen können heute (2005) in Euro umgesetzt werden.

Wohlgemerkt, dieser Betrag bezieht sich ausschließlich auf rauchende Arbeitnehmer mit einem täglichen Tabakkonsum am Arbeitsplatz von 20 Zigaretten und nur durch die Handhabung. Nimmt man jene Arbeitnehmer hinzu, die während des Rauchens überhaupt nicht arbeiten, sondern ausschließlich "genießen", dann liegen die Arbeitsausfallzeiten erheblich höher. Das kann im Einzelfall auch über eine Stunde pro Tag sein. Zigarettenautomaten in den Betrieben fördern zusätzlich den Arbeitsausfall.


2.1.3 Kosten durch Verlust des Produktionsfaktors "Know-how"
Raucher sterben früher als Nichtraucher. Peto, Lopez und Mitarbeiter zeigten, dass Raucher im Alter von 35 bis 69 Jahren durchschnittlich 21 Lebensjahre infolge des Rauchens verlieren. Raucher werden aber auch eher zu Frühinvaliden als Nichtraucher. In beiden Fällen fallen sie für den Betrieb häufig von heute auf morgen aus. Das stellt dann kein größeres Problem dar, wenn sie umgehend durch eine gleichwertige Arbeitskraft ersetzt werden können. Doch häufig geht mit ihrem Ableben oder ihrer Invalidität auch das Know-how verloren, auf das ein Industriestaat wie die Bundesrepublik Deutschland verstärkt angewiesen ist. Know-how geht unter Umständen unwiederbringlich verloren oder muss mühsam wieder aufgebaut werden. Der Wert dieses Know-hows ist nur schwer zu quantifizieren. Im Einzelfall kann er Millionenhöhe erreichen oder gar zur Auflösung eines Unternehmens führen.

 
2.1.4 Kosten durch Einarbeitung neuer Mitarbeiter
Das Einarbeiten von Nachfolgern unerwartet ausgeschiedener Raucher bindet personelle Kapazitäten, ist mit zum Teil größeren finanziellen Aufwendungen für Schulungen und Informationsmaterial verbunden und beeinträchtigt die betriebliche Gesamtleistung. Solange der neue Mitarbeiter seine Aufgaben noch nicht voll erfüllen kann, fallen für ihn Kosten an, ohne dass er entsprechende Leistungen erbringt.

Zwar müssen auch nichtrauchende Arbeitnehmer ersetzt werden, doch ist dies seltener der Fall. Die Gesamtkosten verteilen sich dadurch auf einen längeren Zeitraum, so dass sich auch die Kosten pro Geschäftsjahr verringern.

2.1.5 Kosten durch Vertretungen
Kranke Mitarbeiter müssen vertreten werden. Dies ist gewöhnlich mit einer stärkeren Belastung der gesunden Mitarbeiter verbunden und kann - insbesondere bei häufigeren Vertretungen - dazu führen, dass das Betriebsklima, meist entscheidend für optimale Arbeitsleistungen, stark belastet wird. In anderen Fällen muss eine Überstundenvergütung gezahlt werden, meist als Zuschlag zwischen 25 und 50 Prozent des vereinbarten Gehalts bzw. Lohns. In manchen Kauf- oder Werkverträgen sind Termine vereinbart, deren Einhaltung zur Vermeidung von Konventionalstrafen oder Schadensersatzansprüchen noch viel höhere Kosten verursacht.

2.1.6 Kosten durch Passivrauchen
Etwa 80 Prozent aller nichtrauchenden Arbeitnehmer fordern einen gesetzlichen Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz. Ihnen geht es nicht um ein Rauchverbot als Schikane gegen rauchende Kollegen, sondern darum, die Folgen des Passivrauchens zu vermeiden. Hals- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Augenbindehautreizungen, Konzentrationsschwächen usw. beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit der nichtrauchenden Arbeitnehmer, so dass eigentlich jeder Betrieb ein großes Interesse daran haben müsste, derartige Störfaktoren zu beseitigen. Nach amerikanischen Untersuchungen verursacht das Passivrauchen etwa ein Viertel der Kosten, die dem Betrieb durch das (Aktiv-)Rauchen zusätzlich entstehen.

2.2 Energiekosten
Räume, in denen geraucht wird, müssen häufiger gelüftet werden. Aus Energy Management-Berichten geht hervor, dass die Belüftungskosten für Raucherräume das 7- bis 10fache der für Nichtraucherräume betragen können. Trotzdem können Klimaanlagen keine ausreichend saubere Luft schaffen, wenn die Rauchquellen ständig in Betrieb sind. Häufigere Lüftung erfordert aber auch höhere Heizkosten. Diese können - je nachdem wie genau die Lüftungsvorschriften eingehalten werden - ein Vielfaches der Kosten betragen, die ein Raum ohne Raucherlaubnis erfordert. Schlechte Lüftung wiederum beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit aller Mitarbeiter, sowohl der Raucher als auch der Nichtraucher.

2.3 Wartungs- und Instandhaltungskosten
Einige US-Firmen, in denen nicht oder nicht mehr geraucht wird, haben ermittelt, welche Wartungs- und Instandhaltungskosten bei einem Rauchverbot gespart werden können. Für das Leeren und Reinigen der Aschenbecher, das Reinigen der Schreibtische von Asche, die Pflege von Teppichen, Vorhängen und Polstermöbeln, das Tapezieren und Malern von Wänden sowie das Fensterputzen ist ein größerer Aufwand nötig, weil diese Arbeiten viel öfter ausgeführt werden müssen als in Räumen, in denen nicht geraucht wird. In repräsentativen (Ausstellungs-)Räumen sind die Kostendifferenzen besonders hoch. Die amerikanische Firma Merle Norman Cosmetics gab in einem kleinen Werk nach Einführung des Rauchverbots innerhalb eines Jahres allein für die Reinigung 13.000 Dollar weniger aus. Hinzu kommt, dass Geräte und Mobiliar durch Ablagerung von Teer und Asche beschmutzt und beschädigt werden und ihre Nutzungsdauer gemindert wird. Brandlöcher werden vor allem von Busunternehmen beklagt.

2.4 Raum- und Organisationskosten
Immer mehr Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, aber auch im privatwirtschaftlichen Bereich, nehmen ihr Recht auf Schutz vor den gesundheitlichen Belastungen des Passivrauchens wahr, gestützt entweder auf Bekanntmachungen und Erlasse der Behörden oder auf den Paragraphen 618 BGB, der den Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmer gegen Gefahr für Leben und Gesundheit zu schützen. In einer Reihe von Fällen konnte dies erst mit Hilfe von Gerichten durchgesetzt werden.

Die ArbStVO regelt jetzt im §3a den Nichtraucherschutz.

Um sowohl den Bedürfnissen der Raucher als auch der Nichtraucher gerecht werden zu können, muss ein solcher Betrieb zumindest in Teilbereichen häufig umorganisiert werden, d.h. man schafft getrennte Raucher- und Nichtraucherzimmer durch Umsetzungen. Dabei kommt es zwangsläufig auch zu Versetzungen nach produktionsfremden Kriterien. Eine andere Lösung besteht darin, einen speziellen Raum bereitzustellen, der zum Rauchen aufgesucht werden muss. Beide Lösungen verursachen Kosten. Neben den einmaligen Kosten für die Umorganisation und Umsetzungen entstehen im ersten Fall schon allein fluktuationsbedingt Probleme bei der künftigen Besetzung freiwerdender Stellen, muss doch immer ein passender Mitarbeiter gefunden werden: für den rauchfreien Raum ein Nichtraucher und für den Raucherraum ein Raucher. Bei der Lösung mit dem Raucherpausenraum fallen ständig Raumkosten an, zu denen sich die Kosten für den Arbeitsausfall durch den Gang zum Rauchen gesellen.

2.5 Sonstige Kosten
Rauchen ist auch ein Spiel mit dem Feuer. Kein Wunder also, dass eine ganze Reihe von durch unachtsamen Umgang mit der glimmenden Zigarette verursachten Bränden nicht nur private Wohnungen und Häuser in Schutt und Asche gelegt, sondern auch Betriebsgebäude dem Erdboden gleichgemacht hat. Die National Fire Protection Association listet für 1991 187.100 Brände auf, die durch Tabakwaren hervorgerufen wurden, mit einem unmittelbaren Vermögensschaden von 552 Millionen Dollar. Im Einzelfall kann ein solcher Brand das Ende eines Unternehmens bedeuten. In allen Fällen jedoch gilt, dass Voraussetzung für Versicherungsleistungen Versicherungsbeiträge sind, die alle Betrieben gemeinsam aufzubringen haben und deren Höhe schadensabhängig ist. Versicherungsprämien gehen als Aufwendungen in die Gewinn- und Verlustrechnung ein und verschlechtern ebenso wie viele andere hier nicht genannte indirekte Kosten das Betriebsergebnis.


3. Diskussion

Die bisherigen Ausführungen zeigen: Rauchen ist ein wichtiger Kostenfaktor. Relativ leicht zu quantifizieren sind die Kosten durch Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit (12 Milliarden Euro) und für den Arbeitsausfall während des Rauchens (9 Milliarden Euro), zusammen also mindestens 21 Milliarden Euro. Den Betrieben entstehen dadurch für den einzelnen rauchenden Arbeitnehmer Kosten in Höhe von mindestens 2.460 Euro im Jahr.

Sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich in Zahlen zu fassen sind die weiteren Kosten. Zum einen liegen keine entsprechenden Untersuchungen vor, und zum anderen sind die betrieblichen Gegebenheiten so unterschiedlich, dass sich die Kosten höchstens für eine bestimmte Betriebsart und -größe einigermaßen aussagekräftig ermitteln lassen. Zwischen einem Gaststättenbetrieb und dem Hersteller von Dosen-Fertiggerichten liegen Welten, und kapitalintensive Betriebe wie die der Elektrizitätswirtschaft sind schlecht zu vergleichen mit einem Versicherungsunternehmen. Produzenten von Werkzeugmaschinen haben eine andere Kostenstruktur als ein Taxiunternehmen, und für Mammutunternehmen mit 100.000 Mitarbeitern stellt sich das Problem Rauchen in anderen Kategorien dar als für einen Zwanzig-Mann-Betrieb. Schwer zu quantifizieren heißt aber noch lange nicht, dass diese Kosten nicht real sind. Es ist von mehreren hundert Euro, nach meiner Schätzung von mindestens 600 Euro pro rauchenden Arbeitnehmer im Jahr auszugehen.

Während in den USA schon bei fast allen Betrieben ein generelles Rauchverbot am Arbeitsplatz anzutreffen ist, findet man in Deutschland nur vereinzelt rauchfreie Betriebe. Überwiegend sind es bisher produktionstechnische oder feuerpolizeiliche Gründe, die zu Rauchbeschränkungen führen. In kleineren sowie in Abteilungen mittlerer und größerer Betriebe führt vor allem die Nase des Chefs und nicht die Wirtschaftlichkeit zur Entscheidung, am Arbeitsplatz ein Rauchverbot zu erlassen oder nur Nichtraucher einzustellen. Zunehmend ist die Zahl der Betriebe, die einen Nichtraucherschutz nach dem Veto-Recht praktizieren. Mehrere deutsche Tochter-Unternehmen amerikanischer Konzerne haben in den letzten Jahren Rauchverbotsregelungen der Mutter-Gesellschaften übernommen, so z.B. Texas Instruments am 1. Juni 1989 und IBM am 1. Januar 1995.

Damit setzen diese Unternehmen die in den USA gewonnenen Erkenntnisse über die enormen betriebswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums um. Vor allem die stringentere Anwendung des marktwirtschaftlichen Prinzips in Verbindung mit der Fitnesswelle haben in den USA entscheidend dazu beigetragen, ökonomisch ausgerichtete Untersuchungen zu diesem Thema zu fördern und die Ergebnisse auch in die Praxis umzusetzen.

Wenn sie auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen die deutschen Unternehmen ihre bisherige Einstellung zum Tabakkonsum am Arbeitsplatz grundlegend ändern. Während der Staat oder die Gerichte lediglich einen Nichtraucherschutz vorschreiben können, bleibt es den Unternehmen selbst überlassen, den Anteil der rauchenden Arbeitnehmer durch geeignete Maßnahmen auf Null zu senken. Denn ein Betrieb kann nur bei einem hundertprozentigen Nichtraucheranteil die mit dem Rauchen verbundenen steuerbaren Kosten vermeiden.


Rauchen am Arbeitsplatz schädigt die Gesundheit aller Mitarbeiter.

Rauchfreie Arbeitsplätze verbessern die Motivation und sparen Kosten.


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